kaffeekanne6Silberkannen als Teil herrschaftlichen Prachtgeschirrs sind schon seit der Antike bekannt. Einer der umfangreichsten römischen Silberschätze aus Boscoreale (79 n. Chr.) enthält eine Silberkanne mit kunstvoll gestalteten mythischen Szenen.

Seit der Gründung der Kirche finden Silberkannen als Abendmahlsgeschirr Verwendung. Neben ihrem religiösen Einsatz gehören sie jedoch seit dem Mittelalter auch zum Inventar einer gehobenen Tischkultur. Später zählten neben Bestecken und Flaschen auch Kannen aus Silber zur fürstlichen Tischausstattung des Adels, weit bekannt ist hier das sogenannte Augsburger Silber. Zum vollständigen Service gehörten neben der Kaffe- oder Schokoladenkanne auch Zuckerdose und Milchkanne.

Die sogenannte Dreikranenkanne ist eine sehr alte Kaffeekanne, für das gehobene Milieu wurde sie aus Silber gefertigt. In niederrheinischer Mundart wird sie auch “Dröppelminna” genannt. Der heiße Kaffee floß aus dem Kran in eine Tasse oder ein Schälchen, wurde dann in die Untertasse gefüllt um schließlich, abgekühlt, getrunken zu werden.

Barocke Silberkannen, von Hand gegossen und getrieben, gehören zu den Preziosen in den Sammlungen europäischen Kunsthandwerks. Dazu zählen auch nicht wenige vergoldete Kannen. Neben der Innenvergoldung gibt es auch Goldauflagen außen am Kannenkörper, die nicht nur den Wert des Gegenstandes, sondern auch seine Schmuckwirkung erhöhen.

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Um 1850 zeigen, passend zum Zeitgeschmack, die Empire Kannen aus Silber üppige fächerförmige Riefen. Die silbernen Biedermeier Kaffeekannen erkennt man an den klaren Linien ihres Dekors, oft gefüllt mit Blumenranken und ähnlichen floralen Motiven. Die Zier der schlichteren Art Déco Kaffeekannen ist auf profilierte Bänder und Kanneluren beschränkt. Aufwändiger geschmückt, mit antikem Bilderschatz wie Rosetten und Löwenköpfen, präsentiert sich die Empire Kaffeekanne.

Ende des 20. Jh. avancierten Silberkannen aus verschiedenen Gründen zum geschätzten Sammelgut der Kunstliebhaber. Im Vordergrund stand dabei natürlich die Schönheit der Kannen aus Silber, mit großem Aufwand und hoher Meisterschaft gefertigte Einzelstücke aus europäischen Manufakturen, darunter etliche Hoflieferanten. Hinzu kommt der reale Wert des Silbers, seine Haltbarkeit und Wertbeständigkeit. Auch die gesellschaftliche Rückbesinnung auf bürgerliche Werte spielt dabei sicher eine Rolle: Die silberne Teekanne aus dem Erbgut der Großmutter gehört dazu.

Da Silber in reinem Zustand sehr weich ist, werden ihm andere Metalle, vor allem Kupfer, beigesetzt. Das Mengenverhältnis der Legierung ist von Zeit und Raum abhängig. Der englische Standard für Sterlingsilber ist beispielsweise ein Gehalt von 92,5% Feinsilber. Der Begriff Sterlingsilber geht auf die englische Währung zurück, auf die frühen englischen Silbermünzen, die sogenannten Sterlinge. Neben Geschirr wird Sterlingsilber heute vor allem für Schmuck, Medaillen, Pokale, Münzen und Musikinstrumente (z.B. Querflöten) verwendet.

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Echtsilber ist jedoch kein Echtsilber im wörtlichen Sinn. Der Begriff suggeriert reines Feinsilber, bezeichnet jedoch eine Legierung aus 80% Silber und 20% Kupfer. Die Angaben des Feingehalts erfolgen heute in einem standardisierten Code. “Silber 800″ ist eine Legierung mit 800 Teilen Feinsilber und 200 Teilen Kupfer, “Silber 835″ besteht aus 835 Teilen Feinsilber und 165 Teilen Kupfer – beides wird zur Herstellung von Gebrauchssilber verwendet. Für Münzen benutzt man “Silber 900″, das aus 900 Teilen Feinsilber und 100 Teilen Kupfer besteht. “Silber 925″ entspricht Sterlingsilber, was bedeutet, dass es aus 925 Teilen Feinsilber und 75 Teilen Kupfer zusammengesetzt ist. Medaillensilber schließlich enthält 950 Teile Feinsilber und 50 Teile Kupfer und wird als “Silber 950″ gehandelt.

Echte Silberkannen tragen, wie auch das übrige Tafelsilber, einen Stempel, anhand dessen man den Feingehalt des Edelmetalls feststellen kann. Auf den wertvolleren Objekten aus Deutschland, die vor 1888 hergestellt wurden, finden sich Meister- und Stadtmarken. Sie lassen eine rasche und genaue Einordnung und Wertbestimmung der Kannen zu.