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Münzbecher aus Silber sind silberne Gefäße, zu deren Zierde Münzen in der Wandung, im Deckel oder im Boden eingelassen wurden. Die Form dieser Münzbecher kann einfach becherförmig sein, ist aber oft auch als Talerhumpen oder in Form eines Münzpokals gestaltet. Münzbecher sprechen gleich mehrere Sammelbereiche an, den des Silbersammlers genauso wie den des Numismatikers.

Die ersten Münzbecher aus Silber kamen am Anfang des 16. Jahrhunderts auf. Sie wurden als sogenannter Willkomm in Zunftstuben und herrschaftlichen Häusern bereitgehalten. Der Gast bekam den ersten Willkommenstrunk aus diesem edlen Gefäß.

Der 1988 auf einer deutschen Wohlfahrts-Briefmarke (70+35 Pfennig) verewigte Münzpokal mit Januskopf stammt aus dem Jahr 1536. Dieser aus vergoldetem Silber gearbeitete Münzbecher ist mit zahlreichen alten Münzen verziert. Er gehörte zum Lüneburger Silberschatz und wird heute im Kunstgewerbemuseum in Berlin ausgestellt.

Münzbecher Preise (Richtwerte)

Gegenstand / Gewicht Feinheit Ankaufspreis (+) Ankaufspreis (-)
Einfacher Becher / 125g 925 Silber 36,70 € unter 33,50 €
Grosser Becher/ 350g 800 Silber 88,90 € unter 81,10 €
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Münzbecher gibt es in verschiedenen Größen und Ausführungen – vergleichen Sie daher vor dem Verkauf die Preise genau um das best mögliche Ergebnis zu erzielen.

Der Talerhumpen von Johann Christian Lieberkühn

Einer der wohl bekanntesten Talerhumpen stammt aus dem Charlottenburger Schloss in Berlin. Hergestellt hat ihn der Goldschmied Johann Christian Lieberkühn d.Ä. aus Berlin im Auftrag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. Dieser bedeutende zweihenkelige Münzbecher aus Silber wird als 95 cm hoch beschrieben und ist mit 688 brandenburgischen Talern und zusätzlichen Medaillen verziert. Durch einen kleinen Hahn konnte man aus diesem mächtigen Trinkgefäß Bier oder Wein zapfen. Die einzelnen Münzen stammen aus den Jahren 1520 bis 1675.

Talerhumpen aus der Sammlung von August Neresheimer

Ein weiterer bekannter Münzbecher aus Silber wurde von dem Erforscher der deutschen Silberpunzen, Marc Rosenberg, in seinem Buch „Der Goldschmiede Merkzeichen“ 1923 abgebildet. Es handelt sich hier um einen Talerhumpen aus der ehemaligen Sammlung von August Neresheimer. Dieser silberne Münzhumpen kann durch die Punzen auf die Herstellung 1766 in Danzig bestimmt werden. Er trägt rundum in drei übereinander angeordneten Reihen alte Münzen, die mit der Vorderseite nach außen in die Wandung eingelötet sind. Die Schwierigkeit einer solchen Arbeit liegt einmal in den unterschiedlichen Materialien, denn die Legierungen der eingelassenen Münzen und der dünn ausgeschlagenen Wand haben unterschiedliche Ausdehnungseigenschaften beim Löten. Zum anderen müssen Wandung und Münzen auch noch gewölbt werden, was hohe Ansprüche an das Können der Silber- und Goldschmiede bei der Herstellung von solchen Münzbechern stellte. Ganz sicher waren diese bekannten Stücke Meisterwerke ihrer Zunft.

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass man auch nach einfacheren Verfahren ähnliche Münzbecher aus Silber herstellte. Auch hier gibt es ein Exemplar aus der bekannten Silbersammlung von August Neresheimer. Diese in Gotha bereits um 1688 hergestellte „Deckelkanne“ ist ein silbernes Gefäß ähnlich einem Bierhumpen. In der Wandung sind runde Bildnisse eines jungen Fürsten eingraviert, die dem Silbertaler des sächsischen Kurfürsten Johann Georg III sowohl in Gestaltung als auch im Durchmesser entsprechen. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie Münzen, doch innen kann man sehen, dass die Münzrückseite fehlt. Nur im Deckel ist eine echte Münze eingearbeitet.

muenzbecher2Überhaupt ist die Innenseite ein wichtiges Indiz für die Herstellungsweise eines Münzbechers. Ein neues Verfahren machte ab der Mitte des 19. Jahrhunderts Furore, die Galvanoplastik. Damit gelang es bald, komplizierte Kunstgegenstände auf einfache Weise detailgetreu galvanotechnisch zu reproduzieren. Auf diese Weise in einem Arbeitsgang kopierte Münzbecher aus Silber haben jedoch durch das Verfahren eine körnige Innenseite. Um das zu verdecken, fertigten die Hersteller einen glatten Einsatz, der mit dem äußeren Gefäß zusammengelötet oder verschraubt wurde und die raue Innenseite kaschierte.

Auch die Antiksilberwarenmanufakturen schufen Münzbecher aus Silber bis in das 20. Jahrhundert. Die in einem Prototyp handgetriebenen und ziselierten Körper dieser Münzbecher wurden in diversen Einzelteilen im Sandguss reproduziert und nachgegossen. Diese reproduzierten Silberelemente mussten nun nur noch geformt und zusammengesetzt werden. Im Anschluss bestückte man die Fassungen mit Münzen nach Wahl.

Am Ende noch gut zu wissen – Münzbecher Arten

  • Barock Münzbecher
  • Historismus Münzbecher
  • Münzkugelbecher
  • Münz Fußbecher
  • Münz Stangenbecher

Am Ende noch gut zu wissen – bekannte Hersteller

  • Gebrüder Müller Berlin 1750
  • Meister Gebrüder Johann Bernhard & Martin Friedrich
  • Müller und Söhne