Das Wort Pokal ist heute als Sporttrophäe aus Sterlingsilber jedem bekannt. Wenn Sieger aus der Fußschale ihren Sekt trinken, ahnt man kaum, wie alt die Handlung und die Urform des Gefäßes eigentlich sind.

pokalsilberEin Gefäß wird zum Pokal, wenn die Trinkschale durch einen Fuß mit Sockel erhöht wird. Diese Erhöhung ist durchaus auch sinnbildlich zu verstehen. Deshalb spielen Pokale aus Silber als heilige Kelche eine besondere Rolle. Der sagenhafte Heilige Gral wird oft als Pokal dargestellt und auch viele Religionen nutzen den Kelch als Zeremonialgerät. Prunkpokale wurden über Jahrhunderte sehr aufwendig und kostbar gestaltet. Sie verkörperten als Besitz oder Geschenk Reichtum und Ansehen. Nicht nur Könige sammelten diese Gefäße in Kunstkammern, sondern sie dienten als Willkommgefäß für Zunftzusammenkünfte und für Ratsversammlungen.

Pokal Preise (Richtwerte)

Gegenstand / Gewicht Feinheit Ankaufspreis (+) Ankaufspreis (-)
Einfacher-Pokal / 350g 925 Silber 101,00 € unter 92,10 €
Hochwertiger-Pokal / 950g 800 Silber 237,20 € unter 216,30 €
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Beim Verkauf der Pokale müssen Sie darauf achten, das Sie das Gewicht des Sokels abziehen, falls vorhanden. Oft sind diese nicht aus Edelmetall.

Pokale aus Silber bestehen aus mehreren Teilen, die miteinander verschraubt oder verlötet sind. Aus dem Fuß erhebt sich ein schlanker Schaft, in dessen Mitte eine Verdickung (Nodus) als Griffstück angebracht ist. Oben drauf sitzt die Trinkschale (Kuppa). Besonders die alten Pokalformen haben in der Regel einen Deckel, der mit einer besonderen Zier gekrönt wird. Alte Silberpokale vor 1880 sind je nach Herkunft aus 12lötigem oder 13lötigem Silber hergestellt. 12 Lot entsprechen 750/1000 Silber, 13 Lot = 812,5/1000. Ab 1880 wurden die Feingehalte anders eingeteilt, der Mindestfeingehalt in Deutschland ist 800er Silber. Je höher der Feingehalt ist, desto einfacher lässt sich das Metall verformen, was jedoch bei der Benutzung auch von Nachteil ist. Gegossene zierliche Silberwaren sind deshalb vorwiegend aus 800/1000 oder 835er Silber. Sie haben dadurch auch günstigere Materialpreise als Waren aus 900er Silber oder gar 925er Silber. Feuervergoldung (Vermeil), gefasste Steine und farbige Emaillierungen wurden häufig als Pokalzier angebracht.

Pokale aus Silber lassen sich in verschiedene Formgruppen einteilen.

Der klassische Echtsilber Buckelpokal

pokal-kelch-2Wurden in die Wandung der Trinkschale runde Buckel eingetrieben, spricht man vom Buckelpokal. Ein sehr frühes Exemplar entwarf der Goldschmied Israhel van Meckenem um 1490. Das Grmanische Nationalmuseum verwahrt diese Entwurfszeichnung, die einen Doppelpokal zeigt. Umgestülpt verschließt ein kleinerer Buckelpokal wie ein Deckel das Hauptgefäß. Die Buckel ziehen sich über den Fuß sowie rund um die Cuppa. Solche Pokale aus Silber waren lange Zeit eine Nürnberger Spezialität. Aus ihnen entwickelten sich der Akeleipokal und der Ananaspokal, die sich untereinander in Form und Anordnung der Buckel unterscheiden. Der sogenannte Agleypokal wurde schon 1535 als Meisterstück von der Nürnberger Goldschmiedezunft gefordert. Die bestehenden Formen wandelte angabegemäß Hans Petzold (1551-1633) ab und erfand den ersten Traubenpokal. Bei dieser Form liegen die Buckel dicht beieinander und werden wie bei einer Weintraube nach oben hin zum Kelchrand immer größer. Solche Buckelpokale und Traubenpokale wurden auch kandelaberartig mehrarmig hergestellt.

Ziselierte Silberpokale mit Figurenschmuck

Zu den bekannten Goldschmieden, die auch Silberpokale herstellten, zählt Elias Lencker aus Nürnberg (+1591). Er stellte unter anderem um 1565 einen prächtigen Pokal im Auftrag von Veit Georg Holtzschuher her (heute im Germanischen Nationalmuseum). Reich ziseliert und mit vielen fantasievollen Figuren versehen, trägt der Pokal auch eingraviert eine komplette Vorfahrenliste der Eltern Holtzschuhers.

Silberpokale aus exotischem Material

Als exotische Kostbarkeiten wurden als Trinkschale die Perlmuttgehäuse von Nautilusschnecken und Turboschnecken, Kokosnüsse, Straußeneier oder Elfenbein in Silber gefasst. Ein erstes Exemplar in Nautilusform aus dem 9 Jahrhundert n. Chr. wurde in einem Schatz in Ungarn gefunden. Vor allem das Grüne Gewölbe in Dresden ist bekannt für seine kostbaren Pokale. Dem Hofgoldschmied von August dem Starken, Johann Melchior Dinglinger, verdankt die Welt zahlreiche Pokale aus Silber, deren Fassungen und Verzierungen an Einfallreichtum und Schönheit kaum zu beschreiben sind. Häufig wurden die Exoten in ebenso exotisch anmutende Halterungen gefasst. Ein Straußeneipokal kommt als Vogel Strauß daher, mit einem Körper aus dem Straußenei. Kokosnüsse wurden entweder schön graviert oder als Eulenbecher ausgestaltet.

Detailwissen – Pokal Typen:

  • Historismus Pokal
  • schlesische Pokale
  • vergoldete Pokale
  • Nürnberger Zunft Buckelpokal
  • Diamant Buckelpokal
  • Nautilus Pokal
  • Akelei Pokal
  • Deckelpokal
  • Abendmahlspokal
  • Berlin Pokal
  • Traubenpokal
  • Barock-Abendmahl-Pokal
  • Jagd Deckelpokal
  • Neugotischer Pokal
  • Kaiser Offizier Pokal
  • Deckelpokal mit Adelswappen
  • Miniatur-Akeleipokal
  • Historismus-Deckelpokal
  • Jugendstil-Schützenpokal
  • Art Déco-Pokal
  • Historismus-Deckelpokal
  • Empire-Pokal

Detailwissen – bekannte, historische Hersteller

  • HANAU, J.L.Schlingloff und Gebrüder Neumann 1922-1926
  • Firma NERESHEIMER
  • J.C.KLINKOSCH WIEN
  • Meister David Gottlieb Raudner, 1793 Meister, 1845 gestorben
  • HANAU J.D.Schleißner & Söhne
  • Meister Franz Fischer (Vischer Franciscus, 1575-1653)
  • Neorenaissance-Doppelpokal
  • Meister Christoph Schell (1593 Meister, 1621 gestorben)
  • Meister Lorenz Tittecke, 1597 Meister, 1626 gestorben
  • Gebrüder Kühn Schwäbisch Gmünd
  • Meister Hannß Kurtz, erwähnt 1606-1622
  • Meister Abraham Kessbair, um 1669 Meister, gestorben 1694
  • JULIUS KLEBE 1842-1847
  • Johann Christian Samuel Kessner
  • Christian Friedrich Deppe
  • HAMILTON & DAVIS Philadelphia 1880-1895
  • Meister Stephan Gressel (Meister 1602, 1634 gestorben)
  • Meister David Weinold, 1560 Dresden-1630 Augsburg
  • KÖRNER & PROLL BERLIN 1906
  • Meister Andreas Lobenschrot, Meister 1612, gestorben 1643
  • Meister Gottfried Erhard Dehio (1782-1857, 1810 Meister)
  • Meister Hurlebusch
  • BRUCKMANN & SÖHNE Heilbronn 1907/08
  • Meister Gottfried Heintze, 1673 Meister, 1707 gestorben